Soziales Miteinander

Alle am Schulleben Beteiligten gehen respektvoll und verantwortungs¬voll mit sich selbst, miteinander und der Schöpfung um. Sie erfahren die Schule als Lern- und Lebensort.

Die Erzb. Gesamtschule Sankt Josef ist im gebundenen Ganztag konzipiert. Hieraus resultiert eine Schulentwicklung, die die Prinzipien der Rhythmisierung von Unterricht und Freizeit, von Gemeinschaft und Rückzug, von Wissenserwerb und Erlangung praktischer Fähigkeiten berücksichtigt. In der Ausgestaltung der Balance zwischen den unterschiedlichen Ansprüchen eines Menschen an seine Umgebung liegt die Herausforderung. Kinder und Jugendliche sind gleichsam empfindliche Seismographen, die durch ihr Verhalten deutlich anzeigen, wenn es zu einem Ungleichgewicht kommt. Unsere Schule muss daher stets so weiterentwickelt werden, dass sie dem Menschen in seinen Bedürfnissen gerecht wird. Wenn die zentralen Bedürfnisse gestillt sind, kann ,Wachstum‘ geschehen. Dieses Wachstum stellt dann nicht nur einen Mehrwert für den einzelnen dar. Vielmehr befähigt es den Menschen Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und sich in den Dienst für den anderen und die Schöpfung zu stellen.
St. Josef ist nicht nur ein Lern-, sondern zugleich auch ein Lebensort in der Gemeinschaft. Am Beispiel der Tischgemeinschaft in der Mensa wird dies u. a. deutlich. In der Gesamtschule Sankt Josef erfahren die Kinder und Jugendliche, dass man vor dem Essen gemeinsam betet, gemeinsam mit dem Essen beginnt und in der Gemeinschaft isst. Es ist davon auszugehen, dass dies keine Selbstverständlichkeit mehr im Alltag der Schülerinnen und Schüler darstellt. Schule ist auch hier Ort der erfahrbaren Gemeinschaft. Schule im Ganztag bedeutet ein Mehr an Zeit für die Bereiche Unterricht und Freizeit. Die Zeit, die die Kinder und Jugendliche in der Schule verbringen, muss von den Pädagogen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verantwortlich gestaltet werden. Dies bedeutet jedoch keine permanente Inanspruchnahme des Lernenden, sondern vielmehr ein Angebot von vielfältigen Möglichkeiten sich die Welt anzueignen. Schülerinnen und Schüler werden durch Arbeitsgemeinschaften, Pausengestaltung, Angebote externer Partner, wie die örtliche Musikschule sowie Sportvereinen zu einer sinnvollen Freizeitgestaltung herangeführt. Begabungen und Talente werden gesehen und gefördert. Eigene Erfahrungen müssen teils alleine oder teils in Gemeinschaft gemacht werden dürfen. Fehler machen, scheitern, sich verzeihen und wieder neu beginnen sind Lebensaufgaben, die sich in der Schule, in einem relativ geschützten Rahmen, immer wieder stellen und bewältigt werden können. Die Erzbischöfliche Gesamtschule Sankt Josef ist ein Raum der Gemeinschaft, den Schülerinnen und Schüler mitgestalten. Sie werden ermutigt nachzudenken, wie ihre Schule sein soll, damit sie sich wohlfühlen. Verantwortung für die Gestaltung des Schullebens übernehmen sie konkret in ihren Klassen, aber auch in der Schülerinnen- und Schülervertretung sowie in vielfältigen Funktionen, wie Sporthelferinnen und -helfer, Sanitätsdienst, als Nachhilfe für Jüngere und als Paten für die neuen fünften Klassen.

Des Weiteren gilt es den Schülerinnen und Schülern und ihren Familien die Erfahrung von Freiheit und Liebe auf Grundlage des Evangeliums zu vermitteln, so dass ein tiefes Gefühl des Gehaltenwerdens, der Annahme und der Zuversicht entstehen kann. Hieraus erwächst eine Kraft, die dann bis in das nachschulische Leben des einzelnen bestehen bleibt. Daher ist der Bereich des sozialen Lernens sowohl im Unterricht, im Ganztag und in den vielen außerunterrichtlichen Unternehmungen an St. Josef von hoher Bedeutung. Um Kindern und Jugendlichen diese Erfahrung zu vermitteln, braucht es eben dieser Erfahrung aller, die Schule gestalten. Hierzu bedarf es der wiederholenden Selbstvergewisserung. Erst, wenn sich Schulleitung, Lehrende, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst Erfahrung von Freiheit und Liebe im Geiste des Evangeliums bewusst sind, können sie diese weitertragen. An St. Josef bezieht man sich daher immer wieder auf diesen grundlegenden Gedanken, hält ihn wach und lebendig. Der Schulträger, das Erzbistum Köln, trägt mit vielen Unterstützungsmaßnahmen und -angeboten, wie einem eigenen Schulseelsorger für Sankt Josef, religiöse Fortbildungstage für das Kollegium, Kraftquellentage für einzelne sowie Exerzitienangebote hierzu bei. Der große Bereich der flankierenden Angeboten, die Schülerinnen und Schüler sowie ihre Familien abrufen können, wie Beratungen zur Schullaufbahn, bei familiären und persönlichen Krisen sind die konkrete Ausgestaltung der Schule als Lebensort. Vorbeugenden Maßnahmen zur Stärkung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Hinblick auf unter anderem sexualisierte Gewalt gilt ein besonderes Augenmerk. Ein auf Sankt Josef hierzu abgestimmtes Schutzkonzept mit konkretem Beschwerdemanagement und zuständigen Präventionsfachkräften zeigt die Bedeutung des Themas für das schulische Leben an St. Josef. Eine geschlechtersensible Sprache und Regelungen, um Teilhabegerechtigkeit auch im Bereich der beiden Geschlechter zu erreichen, wie Gender- und Teilzeitkonzepte, tragen zum Gelingen der Schule als Lebensort bei.
Der respekt- und verantwortungsvolle Umgang mit der Schöpfung ist an der Gesamtschule St. Josef von hohem Wert. Die Schule befindet sich in einer landschaftlich attraktiven Lage direkt in der Nähe des Naturparks Siebengebirge. Viele Schülerinnen und Schüler leben in eher landschaftlich geprägten Wohnräumen und bringen bereits Naturerfahrung mit. Diese gilt es aufzugreifen und miteinander zu teilen. Das Schulgelände mit seinem parkähnlichen Pausenbereich mit wertvollem altem Baumbestand aus der Anfangszeit der Schule gibt vielerlei Anlässe mit der Natur in Kontakt zu treten. Durch die städtische Prägung der direkten Schulumgebung erleben die Schülerinnen und Schüler immer wieder, wie die Natur in Gefahr ist und welche Maßnahmen es braucht, um diese zu erhalten. Konkrete Projekte, wie Bacherkundungen, Waldexkursionen und Müllsammeln am Rheinufer machen Naturschutz erfahrbar. Naturerfahrung wird an der Erzbischöflichen Gesamtschule als Erlebnis von göttlicher Schöpfung vermittelt. Es ist daher nicht nur eine ökologische Notwendigkeit die Natur zu schützen, sondern vielmehr Gottes Auftrag an uns Menschen diese zu bewahren.